EU Digital Product Passport (DPP): Der Produktpass, der Greenwashing richtig ungemütlich macht

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EU • Kreislaufwirtschaft • Transparenz

EU Digital Product Passport (DPP): Schluss mit „nachhaltig“-Gelaber – her mit Fakten

Der Digitale Produktpass soll aus Marketing-Sätzen überprüfbare Infos machen: Materialmix, Reparierbarkeit, Ersatzteile, Kreislaufdaten – schrittweise je Produktgruppe.

TL;DR – in 20 Sekunden

Der Digitale Produktpass (DPP) ist eine digitale Datenspur zu einem Produkt: Material, Reparatur, Kreislauf & Compliance – je Produktgruppe. Wichtig: Der DPP ist nicht „ein QR-Code“. Der QR ist höchstens der Griff zur Info.

Was ist der Digitale Produktpass – wirklich?

Stell dir den DPP wie eine digitale Identitätskarte vor, die ein Produkt begleitet – von Herstellung über Nutzung bis Reparatur, Weiterverkauf und Recycling.

Er soll drei Dinge gleichzeitig verbessern:

  1. Transparenz (damit „nachhaltig“ nicht nur ein Wort ist)
  2. Kreislauffähigkeit (damit Produkte länger leben und besser zurück in den Kreislauf kommen)
  3. Reparierbarkeit (damit du nicht wegen eines Miniteils alles wegschmeißt)

Warum das wichtig ist (und warum dich das direkt betrifft)

Weil wir aktuell in einem absurden System hängen:

  • Produkte werden komplexer – aber Infos werden weniger.
  • „Recycled“ steht drauf – aber Materialmix ist nicht nachvollziehbar.
  • Reparatur wäre möglich – aber es fehlen Anleitung/Teilenummer/Kompatibilität.
  • Secondhand wäre sinnvoll – aber Zustand & Daten fehlen.
Green-Living Real Talk: Ein guter Produktpass dreht das um: weniger Nebel, mehr Entscheidungsmacht.

Was steht im DPP drin?

Das ist nicht bei jedem Produkt gleich – die EU definiert das produktgruppenweise. Typische Bausteine:

1) Material & Zusammensetzung

  • Materialmix (z. B. „PET + Elasthan + Beschichtung“)
  • relevante Inhaltsstoffe (je nach Produktgruppe)
  • Hinweise fürs Recycling (was trennbar ist, was nicht)

2) Reparierbarkeit & Service

  • Reparaturanleitungen
  • Ersatzteile (Verfügbarkeit, Nummern, ggf. Kompatibilität)
  • Wartungsinfos (was verlängert die Lebensdauer wirklich)

3) Herkunft & Lieferkette (teilweise)

  • Hersteller-/Chargeninfos
  • Herkunft von Komponenten (je nach Vorgaben)
  • Compliance-/Konformitätsinfos

4) Kreislauf & Weiterverwendung

  • Wiederverwendungs-/Rücknahmeinfos
  • Recyclingpfade
  • Hinweise für Secondhand (Wert, Zustand, Prüfpunkte)

„QR-Code am Produkt“ – ist das jetzt Überwachung?

Nein. Aber: Es kommt drauf an, wie es umgesetzt wird.

  • Der Identifier (QR/RFID/…) ist nur Link/Schlüssel.
  • Nicht alles muss öffentlich sein: gute Systeme trennen Konsument:innen, Repair, Behörden.
  • Was wir nicht wollen: Datenfriedhof, Marketing-Spielzeug, Tracking-Tricks.

Was ändert sich für dich als Konsument:in?

  1. Du kannst Claims testen statt glauben.
  2. Du erkennst schneller, ob ein Produkt „lange lebt“. (Ersatzteile? Reparaturanleitung?)
  3. Secondhand wird besser, weil Prüfpunkte klarer werden.

Was bedeutet das für Shops & Hersteller?

Der DPP ist Pflicht-Thema – aber auch ein Trust-Booster, wenn du’s richtig machst.

DPP-Ready Checkliste (ohne Bullshit)

1Dateninventur

Wo liegen Materialdaten? ERP, Lieferanten-PDF, Excel, „im Kopf“? Welche Daten fehlen grundsätzlich?

2Single Source of Truth

Eine saubere Produktdatenquelle (ERP/PIM) statt Datensalat. Verantwortlichkeiten: Wer pflegt was?

3Reparierbarkeit als Standard

Ersatzteil-Logik, Anleitungen, Kompatibilitäten, Serviceprozesse – als Standard, nicht als Ausnahme.

4Identifier/Label-Strategie

Wo am Produkt? Wie haltbar? Wie scanbar? Wie wird’s im Shop/Listing dargestellt?

5Kommunikation

Nicht „wir sind grün“, sondern: „So pflegst du’s. So reparierst du’s. So hält’s länger.“

6Datenqualität

Wenn Daten falsch/alt sind, ist der Pass wertlos. Qualitätssicherung wird zum Wettbewerb.

Green-Living Kaufcheck: 7 Fragen gegen Greenwashing

  1. Was ist es wirklich? (Materialmix, Beschichtung, Verbundstoffe)
  2. Kann ich’s reparieren? (Anleitung, Ersatzteile, Schrauben statt Kleber?)
  3. Wie lange soll es halten? (Wartung, Service, Garantie realistisch?)
  4. Was passiert nach der Nutzung? (Rücknahme? Recycling wirklich möglich?)
  5. Kann ich es gebraucht kaufen/verkaufen? (Zustand prüfbar?)
  6. Sind Aussagen belegbar – oder nur hübsch formuliert?
  7. Was wird verschwiegen? (z. B. „recycled“ ohne Anteil/Quelle)

Mini-Mythen

„DPP löst Greenwashing komplett.“
Nein. Er macht es riskanter – aber Datenqualität bleibt entscheidend.
„DPP ist nur Bürokratie.“
Kann es werden – oder ein echter Hebel für Reparatur & Kreislauf, wenn es richtig umgesetzt wird.
„QR heißt Tracking.“
Nicht automatisch. Entscheidend ist, wie Zugriff & Privacy geregelt werden.

Fazit: Der DPP ist ein Machtshift

Der Digitale Produktpass verschiebt Macht von Marketing zu Realität. Wenn er gut umgesetzt wird, wird „nachhaltig“ wieder das, was es sein sollte: nachvollziehbar, reparierbar, kreislauffähig.

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